So lautete der Appell den die Jugendtheatergruppe aus dem Bürgerzentrum in Ahlen am letzten Freitag in der alten Schuhfabrik dem Publikum nahe gelegt hat. Mit ihrem selbstgeschriebenen Theaterstück wollen sie allen Anwesenden Mut zur Zivilcourage machen.

Während der Aufführung wurden Themen angesprochen, die die meisten von uns im Alltag lieber verdrängen wollen oder gar aktiv ignorieren. Genau das soll nun geändert werden. Mit mitreißenden Geschichten und nachdenklicher Musik verschafften sie eine Atmosphäre die zugleich ernst aber auch schön ist. Gleich zu Anfang zeigten sie, dass Musik in dem Leben von wahrscheinlich jedem eine zentrale Rolle spielt.

“Scars to your beautiful” (Alessia Cara) gesungen von Yesmin Yavus, mit diesem Lied startete das Bühnenspiel, direkt danach machten die Zuschauer eine kleine Zeitreise durch das Leben der jungen Schauspieler. Hier wurde gleich klar, dass es an diesem Abend vor allem um Themen wie Diskriminierung, Flucht und Selbstzweifel geht.

Bei einem “Einstellungstest für gesellschaftliches Ansehen”, einer sogenannten Aufnahme in die Elite wird deutlich wie wichtig den Jugendlichen der Umweltschutz ist, aber auch, dass häufig die “reiche Oberschicht” besser von der Gesellschaft anerkannt wird. Darauf aufbauend wurde auch das Thema Social Media angesprochen. Die Wahrheit hinter den Fotos, zum Beispiel auf Instagram, ist zweitrangig geworden. Die Anzahl der Likes scheint viel wichtiger zu sein. Dies führt häufig zu einer Beschränkung der Menschen auf ihr Äußeres, zu einer Definition des Lebens über Instagram.

Wir geraten in ein “Schubladendenken um eigene Unsicherheiten und Ängste zu komprimieren um perfekt zu sein. Auf dem Weg zur Perfektion vergessen wir, wir selbst zu sein.”

Auch das Thema Mobbing wurde angesprochen und die ausdrucksvolle Geschichte eines Jungen erzählt. In diesem Zusammenhang machte die Schauspielgruppe auch deutlich, dass Mobbing leider viel zu häufig von einzelnen ignoriert wird mit dem Hintergedanken das ein einzelner dabei oft ja nicht helfen könne. Doch genau dieses Denken ist falsch. Ebenso emotional war die nächste Problematik dargestellt: Depression und der Umgang des eigenen sozialen Umfelds damit. Wer unter einer Depression leidet hört oft Sätze wie z.B.: “Jetzt reiß dich doch mal zusammen.” oder “Sei doch nicht immer so traurig.”. Doch genau solche Aussagen schaden mehr als das sie helfen. Um dem zu entgehen versuche betroffene oft eine “Maske” aufzusetzen, um es allen Recht zu machen.

Jeder ist Frei in seinem Wesen, seinen Gedanken und seinem Charakter.”

Das letzte Anliegen der Jugendlichen an diesem Abend war das Thema Freiheit. Und am besten wird dieses Thema wahrscheinlich von Betroffenen ausgedrückt. Aus diesem Grund hat Sandy Addouj ihre ganz persönliche Lebensgeschichte erzählt: wie sie im Libanon entführt wurde, dass sie ihr eigenes Zuhause als Gefängnis empfunden hat. Und das sie nach Deutschland flüchtete, um hier in Sicherheit zu Leben. Denn Krieg ist nicht nur das Töten von Menschen, laut ihr ist die schlimmere Form von Krieg das Töten von Träumen sowie die Unterdrückung von Träumen.