Es war einmal… in einer fernen Schuhfabrik…

Samstag, der 10. Dezember. Die Schuhfabrik füllt sich mit Leben. Das ganze Wochenende über werden hier insgesamt vier Theaterstücke von Jugendlichen aufgeführt. Alles Premieren. Am heutigen Samstag waren dies ,,Don Quichot und die Wanna Be’s” von der Kulturinitiative Filou Beckum sowie die ahlener Produktion der Schuhfabrik: die Liebesgeschichte ,,Romeo und Julia”.

Um 15:45 Uhr begann die Festivität mit der Eröffnung durch Miriam Hermes. Unser Bürgermeister, Herr Dr. Alexander Berger war leider verhindert. Der prall gefüllte Saal mit Zuschauern aller Altersklassen begrüßte die erste Gruppe aus Beckum mit rasendem Applaus, wie es sich gehört. Das Stück wurde auf Grundlage des gleichnamigen Buches geschrieben und mit modernen Aspekten der Selbstfindung in sozialen Netzwerken ergänzt. ,, Ich bin geil”, mit diesen Worten startete die Aufführung. Dazu kam ein Mädchen mit Selfiestick, ein tanzendes Schlachtross, der neue Papst, eine miese Kofehe (Misch aus Kobold, Hexe und Fee) und ein Mann, der sich selbst für einen edlen Ritter hält. Das ganze Stück über war das Publikum eingeladen unter dem Motto: ,,Wir brauchen euch um zu sein, was wir sein wolln’ “, durch Geräusche wie die einer Fanfare die Performance mitzugestalten. Die Aufführung schloss mit der Antwort auf die Frage, wie wichtig man selbst ist und wie viel eine Traumwelt der Realität gut tut.

Nach dieser Stunde voller Eindrücke und Gedankananstößen wurden wir zu einer Pause in der Kneipe der Schuhfabrik eingeladen. Gegen zwanzig nach fünf folgte das Publikumsgespräch mit dem Schirmherren Adrian Topol. Der erfolgreiche Tatort- Darsteller ist der Schirmherr des Festivals und gleichzeitig in Ahlen aufgewachsen. Mit acht einhalb Jahren kam er von Polen nach Deutschland. Er erzählte von der Schwierigkeit einen polnischen Akzent zu verlieren, von der Ungewissheit im Filmbusiness aber auch von seiner frühen Begeisterung für die Kunst der Kameraführung. So steht der heute 36- jährige nicht nur vor der Linse, sondern führt auch selbst Regie. Es folgten Gespräche über einen gewissen Österreicher, den wir alle kennen und wie er die deutsche Filmbranche zerstörte, aber auch über Castings und Rosamunde Pilchner.

Dann war es auch endlich für die dreizehn ahlener Jugendlichen Zeit für die Bühne. Mit der klassischen Geschichte von den zerstrittenen Montagues und Carpulets unter der Regie von Nadine Althoff und Tobias Winopall begeisterten sie das Publikum. Leon Schäfer als Romeo kämpfte mit den Originalreimen aus dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare um seine bezaubernde Julia. Besonders die Sehnsucht der beiden wird deutlich. Auf der Bühne mit schlichtem Bühnenbild, leuchten die entsprechenden Farben der Akteure auf. Rot für die Carpulets, blau für die Montagues und lila, für die beiden, wie sie in Romeo und Julia als Liebespaar vereint sind. Der Hass zwischen beiden, sowie die Anziehung zwischen Romeo und Julia sind mehr als nur ein Drehbuch.

Die Jugendlichen des Ahlener Provinztheaters: Hanna Beckmann, Sven Ephan, Kevin Falke, Ulrike Gerhardt, Simon Lukas Greve, Lasse Meiwes, Leon Schäfer, Tim Schäfer, Louisa Schroeder, Kathrin Sievers, Nick Weber, Bastian Weise, Jonas Wollny (in alphabetischer Reihenfolge)

Selten habe ich erlebt, dass Jungs im Alter von maximal zwölf Jahren, die neben mir saßen, ein ganzes Theaterstück über gefühlt noch nichtal geatmet haben. So schlicht und einfach die Performance gehalten wurde, umso mehr wirkte die Sprache der Schauspieler. Ich musste mir mal das Lachen verkneifen, mal aber auch das Weinen, womit ich nicht die einzige war. Am Ende der Aufführung flossen über Julias Wange doch die ein oder andere Träne. Die kleinen Textpannen hatte die Gruppe so gut überspielt, dass ich sie erst in einem Gespräch mit einem Schauspieler am Ende des Tages mitbekam. Alles in allem war dieser Tag, Zitat: ,,Der geilste Tag des Monats”, für eine Schülerin der Fritz- Winter Gesamtschule. Die Schuhfabrik hatte den nötigen Flair mitgebracht und Adrian Topol die Lockerheit und so entstanden an diesem langen Nachmittag auch neue Bekanntschaften und vor allem eine neue Begeisterung für das Theater bei Jugendlichen. Was eine Städtepartnerschaft auf die Beine stellen kann, ist unglaublich! Wir sind gespannt auf mehr!

 

Und wer nun auch ein wenig neugierig ist, am heutigen Sonntag spielen das Theater am Wall Warendorf und die Alte Post Oelde ihre Stücke ab 16 Uhr in der Schuhfabrik. Es gibt noch Karten, also los geht’s, es lohnt sich!

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie noch heute…

 

Mehr Infos findet ihr unter www.provinz-jugendtheater.de oder direkt auf der Seite der Schuhfabrik.