Eine neue Bedrohung ist aufgetaucht. Eine Bedrohung so gefährlich, dass sie ganze Nationen in Angst und Schrecken versetzt. Genauer gesagt löst es solch eine furchtbare Angst in den Herzen der Menschen aus, dass sie sich nicht einmal trauen, aus ihren Häusern zu treten…Genau. Diese Lebensform, die uns unsere ganze Existenz in Frage stellen lässt, ist…ein; ähm…Virus?

Habe ich das richtig verstanden? Ein Lebewesen, welches so klein und so unwichtig ist, dass wir erst neu von ihrer Existenz erfahren haben, war in der Lage dazu, unser aller Leben zu ändern? Ein Lebewesen, welches so klein ist, dass wir es nicht mit bloßen Augen sehen können? Und das ist noch nicht alles. Dieser Virus ist nämlich menschengemacht. Ja, richtig gehört. Hach, was für eine herrliche Ironie. Nachdem wir Jahrhunderte lang diesen Planeten zerstört haben, zerstören wir uns selber. Der Klimawandel war gar nicht notwendig! Wir sind so dumm, dass wir uns selber eigenhändig den gar Aus machen. Also da muss man wirklich klatschen, finde ich. Das schafft nicht jeder.

In Ordnung, vielleicht hat sich das ein wenig zu aggressiv angehört. Man muss nämlich auch eingestehen, dass dieser Virus auch Vorteile hat und gute Sachen bewirkt hat. Für eine so extrem introvertierte Person wie mich waren die Neuigkeiten über die Quarantäne Gottes Segen. Oder zumindest haben sie sich so angefühlt.

Je härter die Herausforderung ist, desto mehr kann man über die Natur einer Person erfahren. Und mit einer internationalen Herausforderung so wie dieser hier kann man genau sehen, wie die Länder und Bürger wirklich ticken. Bei so einer Pandemie ist es unglaublich wichtig, sich Ressourcen anzuhäufen. Ganz genau, du weißt, wovon ich rede.

Essen? Ist irgendwie schon wichtig, aber nein, es gibt noch eine wichtigere Sache, die jeder Mensch braucht. Etwas, wofür jeder töten würde. Und ja, ohne Wasser würden wir zwar sterben, aber es gibt wichtigere Dinge, um die man sich kümmern muss.

Ganz Recht.

KLOPAPIER! Ja. Das Magnum Opus der Menschheit…aber um das mal ernsthaft anzusprechen, ich verstehe wirklich nicht, woher diese Klopapierkrise kam. Ich meine, ich wusste schon früh, dass diese Panikwelle bei uns in Deutschland ankommen würde, da ich oft im englisch-sprachigen Internet unterwegs bin. Man könnte schon sagen, dass ich es wie ein Spektakel gesehen habe. Also habe ich es mir auf meiner Couch gemütlich gemacht und beobachtet, wie der Tsunami der Furcht und Paranoia von der amerikanischen Küste bei uns ankam.

Der Druck, der durch die Pandemie ausgelöst wurde, hat Europa regelrecht zertrümmert. Was sich eigentlich wie eine starke Union anhört, die zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt ist nur noch ein idealistischer Gedanke. Jedes Land kämpft erbittert für sich selber, das Volk rast (es gibt Proteste für „Freiheit“) und die Kinder sind in Gefahr.

Da die Schulen ausgefallen sind und ich dadurch ziemlich viel Freizeit habe, habe ich ein gewisses Interesse in meinen Garten entwickelt. Die Natur hat mich schon immer begeistert, und jetzt habe ich endlich die Chance, meinen Hobbys zu folgen. Und ich habe sehr viele spannende Entdeckungen gemacht. Zuallererst habe ich ein Vogelnest gemerkt, welches in einem alten Karton von einem Rotkehlchen gebaut wurde. Am Anfang meiner Beobachtung befanden sich dort drei Jungvögel, die sich dann merkwürdigerweise vermehrt haben. Nach ein paar Tagen waren es nämlich vier, aber das ist ja nicht so wichtig. Aber ich muss schon sagen, dass die Vögel niedlich waren. Jedes Mal, wenn ich mich ihnen näherte, öffneten sie ihren Mund und warteten darauf, dass ich sie fütterte. Inzwischen haben sie sich schon auf den Weg gemacht, was mich ein wenig traurig stimmt. Wer hätte gedacht, dass ich binnen einiger Tage solch eine starke Verbindung bauen könnte?

Was ich merkwürdig finde ist, wie stark Menschen ungewollte Sachen ausblenden können. Während draußen gedacht wurde, dass unsere Gesellschaft untergehen wird und die Todeszahl sich immer weiter vermehrte, saß ich in meinem Garten vor ein paar Kisten und freute mich darüber, dass den Jungvögeln Federn wuchsen. Es ist schon absurd, wenn ich darüber nachdenke. Fast schon so, als würde ich ein Leben innerhalb eines Lebens führen. Zwei verschiedene Handlungen, die gleichzeitig verlaufen.

Ich freue mich nur, dass ich Zeit mit meiner Familie verbringen kann, obwohl dieses Prinzip des „Lebens innerhalb eines anderen Lebens“ auch hier zutrifft. Selbst wenn wir uns alle in einem Raum befinden, sind alle meiner Familienmitglieder an ihren Handys oder beschäftigt. Bei mir ist es nicht anders. Wir sind mit der ganzen Welt verbunden, wissen dafür aber nicht, was außerhalb unserer Tür los ist. Nun, um das herauszufinden, habe ich mich auf in meinen Garten gemacht. Mein Vater ist nämlich ein Imker und ich dachte mir, dass ich vielleicht ein bisschen die Honigbienen beobachten würde und mir fiel etwas sehr bewundernswertes auf. Honigbienen sind…sehr selbstlos. Sie wandern kilometerweise, nur um etwas Nektar für ihre Kolonie zu sammeln. Wenn man das mit uns vergleicht, wie es mehr als genug Protestanten gibt, die nicht akzeptieren, dass sie zum Wohle der ganzen Gesellschaft für einige Wochen gemütlich zu Hause im Bett liegen und sich ausruhen sollen. Bienen behalten den Nektar nicht, obwohl sie den ganzen Tag dafür schuften, während wir uns im Supermarkt streiten, wer die letzte Packung Chips kriegt, weil die nächste Ladung noch nicht da ist.

Noch ein Beispiel, welches uns vielleicht ähnlicher ist. Hummeln. Eine Hummelkolonie hat sich neulich unter dem Erdboden meines Gartens gemütlich gemacht. Sie sind pummelig, sollten nach den Gesetzen der Aerodynamik überhaupt nicht fliegen können, da ihre Flügel zu klein im Vergleich mit ihren Körpern sind, und sind sehr vergesslich. Sie vergessen sogar, wo sich Blumen befinden. Deswegen geben sie einen Geruch ab, womit sie die Blumen, die sie schon einmal besucht haben, wieder finden können. Und obwohl sie so viele Fehler machen sind sie immer noch besser darin, das Beste für ihre Gesellschaft zu tun als wir. Es erschien mir merkwürdig. Schließlich sin wir Menschen immer so stolz darauf, dass wir so klug sind und uns an der Spitze der Nahrungskette befinden.

Und dann kam mir der Gedanke; kann es sein, dass wir Menschen zu schlau sind? Wenn es eine Skala gäbe, die die Intelligenz von Lebewesen auffasst, würden wir uns wahrscheinlich irgendwo in der Mitte befinden. Wir lernen zwar schnell und haben schon sehr vieles erfunden, aber unsere Arroganz hält uns davon ab, uns schneller fortzubewegen. Außerdem gibt es noch unglaublich vieles, was wir nicht wissen und nie wissen werden. Und wenn man Insekten beobachtet, sieht man, dass sie fast schon programmiert sind. Das heißt, dass sie ihre Aufgabe erledigen und dann sterben. Und sie haben sehr limitierte Kommunikationsmöglichkeiten. Was ich hiermit sagen möchte ist, dass die meisten Katastrophen durch unsere Intelligenz verursacht wurden. Je dümmer ein Lebewesen ist, desto „programmierter“ ist es sozusagen. Zum Beispiel Pflanzen haben fast gar keine Intelligenz und trotzdem sind sie in der Lage dazu, zu wachsen. Es hat sozusagen ein ganz simples Programm. Wir Menschen sind allerdings viel komplizierter. Wir sind in der Lage dazu, unsere Instinkte und unsere Programmierung zu kontrollieren. Es ist fast schon so, als hätte die Natur bei uns gesagt „ist mir doch egal, macht was ihr wollt.“

Noch nie in meinem Leben hatte ich von so etwas gehört. Denn es wird ja immer gesagt, dass je schlauer ein Lebewesen ist, desto wertvoller es ist. Ich hatte in diesen Wochen regelrecht eine Midlife-Crisis. Diese Krise, in der wir uns befinden, hat ja angeblich mit dem Verzehr von Fledermäusen angefangen. Das ist genau das, was ich meine.

In Ordnung, ein anderes Beispiel. In Deutschland wachsen wilde Lorbeeren, die giftig sind. Die Vögel essen diese nicht, da sie die Gefahr kennen (woher auch immer). Vor einigen Jahren hat mein Vater Lorbeeren aus der Türkei exportiert, die essbar sind. Diese Art von Lorbeere ist hier nicht bekannt (oder zumindest in meiner Umgebung nicht) und eines Tages ist unser Nachbar bei uns angekommen und hat meinen Vater gefragt, ob sie essbar sind. Anscheinend hat er gesehen, wie die Vögel die Lorbeeren gegessen haben, und war verwundert. Also wussten die ‘dummen‘ Vögel das, was wir ‘schlauen‘ Menschen nur durch das Experimentieren herausfinden. Um ehrlich zu sein kann ich nicht einmal wirklich beginnen zu erklären, wie das möglich ist.

Vielleicht ist der Grund, warum wir unseren eigenen Planeten zerstören oder uns selber umbringen unsere Emotionen. Ignoranz ist immer leichter, als die Wahrheit zu akzeptieren. Oder vielleicht liegt es an den…nicht so gebildeten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Alles, was ich weiß ist, dass ich weiter Ferien haben möchte. Ich hatte schon lange nicht so viel Zeit, neuen Beschäftigungen nachzugehen. Ich versuche mich zurzeit an der Pyrographie, auch Brandmalerei genannt. Ich bin zwar ziemlich schlecht darin, aber ich bin dennoch stolz auf mein erstes Werk.

Und ich habe das Gefühl, dass ich mich selber endlich entdecke. Mein Selbstvertrauen ist massiv angestiegen, ich fühle mich viel ruhiger und friedvoller. Was andere über mich denken, ist mir gleich. Meine Hoffnung ist, dass ich zumindest einen Teil von diesen Entdeckungen mit in die Schule nehmen werde.