So hoch?! So tief?! Über die Höhe des Förderturmes und die Tiefe der alten Schächte auf der Zeche Westfalen können die Berliner Kids nur staunen. Dabei wissen sie noch gar nicht, dass sie gleich auf diesen Höhen (40m) stehen werden…

Die Zeche Westfalen ist echt ein Monsterteil! Sie ist im 19. Jahrhundert erbaut worden, hat einen Bombenanschlag im 2. Weltkrieg (1000 Bomben) überlebt und produzierte die hochwertigste Kohle der Welt unter, für damalige Verhältnisse, hohen Sicherheitsstandards. Dass diese ganze Anlage mal vollgestopft mit Arbeitern war, dass damals hunderttausende Tonnen Kohle in den Fördertürmen hochgeholt wurden, das ist für uns Ahlener Grundwissen, die Berliner verblüfft es aber extrem. Der Gruppe aus 19 Jugendlichen einer Fairtrade-Schule in Berlin-Schönefeld, die ich begleite, hat es die Sprache verschlagen. Für die aus dem Ausland stammenden Kids ist die Steinkohlegewinnung nie ein Thema gewesen. ,,Für solch ein großes Spektrum kann man niemanden begeistern, der zuvor noch nie davon gehört hat”, hatte ein ehemaliger Bergbauarbeiter noch am Anfang unserer Führung zu einem anderen gesagt. Es stimmt schon. Als wir die Fotoausstellung besuchen, dauert der Rundgang der Gruppe keine Minute. Doch bei dem Vortrag und als alle verstanden haben, wofür Steinkohle eigentlich gebraucht wird, hören alle gespannt zu. Es muss schlimm sein bei 40°C so lange da unten in der Tiefe zu arbeiten, denke ich mir, denn die Temperatur nimmt nach unten hin zu. Wir bekommen alle eine Tüte Gummibärchen und gehen in den nächsten Raum. Hier hängen Bergmannskluften, die die Berliner anprobieren dürfen. So schwer hatten sie sich das ganze Equipment garantiert nicht vorgestellt! ,,Mehrere Kilos haben die Bergarbeiter tagtäglich an ihrem Körper getragen”, so unser Führer. Weiter geht es mit einer Siegerehrung der besonderen Art. Als der schnellste und fleißigste Arbeiter bekommt Kevin heute eine Auszeichnung verliehen, auf altdeutsche Art! Zuerst muss sich der 14-jährige einkleiden. Einen Schutz für den Hintern trägt er nun. Ich muss mir das Lachen verkneifen! 🙂 Dann, und eins und zwei und pong! Ein Arbeiter hält eine Blechschaufel an den Po des Jungen, der andere haut mit dem Hammer drauf. Wenn er das zu Hause erzählt! Es ist mittlerweile acht Uhr und zugegeben, ich bin müde. Genau wie alle anderen bin ich der Auffassung, dass der Tag nun hier und jetzt endet. Doch Kati wäre nicht Kati, hätte sie nicht noch eine kleine Überraschung vorbereitet, die mir den Atem nimmt. Mit einer Sondererlaubnis dürfen wir, passend zum Sonnenaufgang, auf den 40 Meter hohen Förderturm steigen. Es sind 204 Treppenstufen voller Adrenalin, denn durch das Gitter kann man weit, weit nach unten schauen. ,,Wow”, mehr kommt den Berlinern oben nicht aus dem Mund. ,,Ich kann von hier die Kirche sehen, wir haben besucht heute morgen”, so eine Schülerin wörtlich. Wenn da nicht diese verflixte Höhenangst wäre! Als besonders lustig empfindet die Truppe die von ihr getauften ,,gelben Reifen”. Zwei große Räder, sieben Meter Durchmesser und drehbar! Die Schüler, die unten geblieben sind (Höhenangst) winken uns zu! Dann geht es aber auch schon wieder runter, bevor die Kinder nachher den Weg zum Hof Münsterland, ihrem Hotel, vor Müdigkeit nicht mehr schaffen. Auch ich fahre nun nach Hause. Auf dem Weg muss wollen mir die Gedanken an die Schicksale der Jugendlichen nicht aus dem Kopf gehen. Einige von ihnen sind so alt wie ich, gingen aber nur 3 Jahre zur Schule, weil sie in Deutschland nicht durften. Andere sind sogar jünger als ich, haben aber bereits mehr von der Welt gesehen wie ich es je werde. Die Reise ist ein Projekt um den Menschen Fairtrade in die Köpfe zu rufen, was sie eindeutig auch tut, aber in meinen Augen steckt da noch viel mehr dahinter. Jetzt verabschiede ich mich mit meiner Reihe über Fairtrade und Fairtrade-Schools, gehe schlafen und schone meine Füße von einem anstrengenden, aber auch lustigen und eindrucksvollen Tag, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde!

Bildergalerie:

 

Von unten sieht es doch gar nicht so hoch aus- oder?

,,Ja hallo? Ist da jemand?”

Die zeche Westfalen von oben

 

Der zweite Förderturm

Echte Bergleute!

Das ist aber schwer!

Huckepack 🙂

Ziemlich hoch…

Zeche Westfalen

Das Ahlener Mammut!

Ganz schön tief…