Am vergangenen Freitag fand im JuK-Haus die 25. SINN-Konferenz statt. SINN steht für „Senioren in neuen Netzwerken“. Aber der Mammutreport ist doch für Jugendliche? Stimmt, aber diese Konferenz hatte „Jung & Alt – gemeinsam stark!“ als Thema. Und dafür gibt es in Ahlen bereits mehr Beispiele, als man vermuten könnte.

Der Veranstaltungsort selbst ist bereits ein solches Beispiel: das JuK-Haus ist ein altersunabhängiges Bürgerhaus, jeder darf dort hinkommen. „Gemeinsam stark“ bewies die JuK-Haus Band „Eyes Wide Shut“, die aus Jugendlichen besteht, aber von Leuten der älteren Generation unterstützt wird – in diesem Fall Mitgliedern von Rock am Schacht. Mit ihrer Musik begeisterten sie in den Pausen das Publikum.

Von der Fachhochschule Münster gab es einen „Alters-Simulations-Anzug“. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, alt zu sein, konnte es mithilfe dieses Anzugs erfahren.

Dass der Kontakt zwischen Jung und Alt wichtig ist, betonten sowohl Cristina Loi von der Leitstelle „Älter werden in Ahlen“ als auch Marina Bänke, Koordinatorin der Ahlener Präventionskette. Die Generationen können voneinander lernen und sollten nicht die jeweils andere Generation abstempeln (wir haben doch alle schon von „dieser Jugend heutzutage“ oder „den Alten“ gehört). Die Präventionskette kümmert sich um alle, vom Ungeborenen bis zu den Ältesten. Dabei gilt ein afrikanisches Sprichwort als Leitmotto: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“.

Inspiration findet sich auch in anderen Kommunen. Vertreter aus Arnsberg stellten ihr Projekt „JuleA“ vor: „Jung lehrt Alt“. In drei verschiedenen Fächern bringen Schüler Senioren ihr Wissen näher: Smartphone-/Tablet-Kunde, PC-/Laptop-Kunde und Urlaubs-/Situations-Englisch. Der Unterricht findet dabei während der Schulzeit statt, allerdings in Freistunden oder der Mittagspause. Interessierte Schüler der 9. oder 10. Klasse werden Schülerlehrer. Im 1:1-Unterricht lehren sie ihre Seniorenschüler das, was diese vor allem brauchen. Es wird also für jeden ein individueller Plan erstellt, damit die Senioren das lernen können, was sie nicht wissen, aber wissen möchten und benötigen. Ein Kurs dauert 8 Schulstunden, die Unterrichtsstunden finden einmal in der Woche statt. Neben einem kleinen Honorar erhalten die Schüler außerdem einen Vermerk auf dem Zeugnis und ein Ehrenamtszertifikat. Dieses bestätigt, dass sie noch während der Schulzeit bürgerschaftliches Engagement gezeigt haben. Da die Industrie- und Handelskammer das Projekt JuleA kennt und Firmen darüber informiert, entsteht für die Schüler also auch ein Vorteil bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Aus der bisherigen Erfahrung des Projektes, das mittlerweile 11 Jahre läuft, konnten auch andere positive Auswirkungen auf die Schüler beobachtet werden: neben der Stärkung des Selbstbewusstseins lernten sie, sich selbstständig auf die Unterrichtseinheiten vorzubereiten, übernahmen Verantwortung und zeigten Verständnis für die Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt.
Bis zum Abschluss eines Kurses waren oft Freundschaften zwischen Schülern und Senioren entstanden.

Das Projekt JuleA findet mittlerweile in 16 Städten statt und hat mehr als 5300 Teilnehmer.

Auch einige Ahlener Projekte wurden vorgestellt, bei denen jüngere und ältere Menschen in Kontakt kommen und voneinander lernen.
Das Gymnasium St. Michael bietet seit 2008 in der 10. Klasse das Fach „Reli praktisch“ an. Dabei gehen Schüler einmal in der Woche für eine Doppelstunde in soziale Einrichtung, unter anderem Seniorenheime wie das Hugo-Stoffers-Seniorenzentrum. Die Schüler verbringen Zeit mit den Senioren und bringen sowohl für die Senioren als auch für die Schüler Abwechslung.

Die Ahlener Taschengeldbörse vermittelt Gelegenheitsjobs für Jugendliche. Auftraggeber sind dabei Ahlens Einwohner. Wer beispielsweise Hilfe im Garten benötigt, meldet sich bei der Taschengeldbörse und diese bieten den Job interessierten Jugendlichen an. Das Minimum der Bezahlung liegt bei 5€. So konnten innerhalb eines Jahres 80 Jobs vermittelt werden.
Interesse? Dann schau mal unter www.taschengeldboerse-ahlen.de.

Weitere Akteure waren die Caritas, der Lunch Club, die Tagespflege Mittrops Hof, das Forum gegen Armut e.V. und die Stadtbücherei zusammen mit der Leitstelle Älter werden in Ahlen.

Insgesamt war es also ein aufschlussreicher Nachmittag, der nicht nur für Senioren interessante Informationen geboten hat.