Wir wollten nur einen kurzen Trip in die Berge machen, um dort zu wandern.Unsere Eltern hatten es uns nach einem kurzen Zögern auch schließlich erlaubt. Ich will euch von unserem Trip erzählen.

Wir trafen uns morgens um 5 Uhr am Bahnhof. Es war verdammt kalt und unser Zug kam erst in 10 Minuten.
Als der Zug dann endlich kam, war er, zu unserer Überraschung, recht voll und wir mussten quer durch den Zug laufen, um einen Platz zu finden. Zum Glück hatte jeder von uns nur einen Rucksack dabei. Eigentlich wollten wir trotz Kälte zelten, allerdings hatten unsere Eltern dies verboten und uns lieber Geld für ein Hotel gegeben. Unser Ziel war Lichtenstein. Bis dahin mussten wir knapp 12 Stunden fahren und dreimal umsteigen.
Nachdem wir in Hamm umgestiegen waren, hatten wir reservierte Plätze und mussten uns keine mehr suchen. Da wir noch ca. 8 Stunden Zeit hatten schliefen wir, damit wir, wenn wir ankamen, gleich voll loslegen konnten.
In Dresden mussten wir wieder umsteigen und wir hätten fast unseren Anschlusszug verpasst, da unser Zug einige Minuten Verspätung hatte.
Auf dem Weg nach St. Egedien, wo wir das letzte Mal umsteigen mussten, gingen wir nochmal unsere Route durch. Wir wollten noch vor Anbruch der Dunkelheit beim Hotel Wolkenblick ankommen. Bis dahin war es ein ganzes Stück. Da es aber erst um ca. 10 Uhr dunkel wurde, könnten wir es schaffen. Allerdings nur, wenn wir nicht trödelten.
Als wir nach knapp zwei Stunden in St. Egedien ankamen, wären wir fast in den falschen Zug gestiegen! Zum Glück hatten wir es noch rechtzeitig gemerkt und waren dann in den richtigen Zug nach Lichtenstein gestiegen.
In Lichtenstein angekommen, waren wir froh endlich da zu sein. Wir hätten auch schon nach 7 Stunden da sein können, aber unsere Eltern hatten darauf bestanden, dass wir den Zug nahmen, bei dem wir nicht so oft umsteigen mussten.Das war ihre Bedingung. Somit hatte es fünf Stunden länger gedauert.

Wir machten und dann auf den Weg nach zum Hotel. Doch wir mussten uns erst noch etwas zu essen kaufen, da wir schon fast alles aufgegessen hatten.
Weil es sehr kalt war und wir etwas zum Aufwärmen auf dem Weg haben wollten, füllten wir nach langen überlegen unsere Thermoskannen mit heißem Tee auf. Um an das heiße Wasser zu kommen und Tee machen zu können, klingelten wir an einer Haustür. Uns machte eine ältere Dame auf. Sie war sichtlich überrascht, dass wir bei diesem Wetter draußen waren.
Nachdem wir ihr unsere Situation und unsere Bitte erzählt hatten, ließ sie uns herein und machte und zusätzlich sogar noch einen heißen Kakao. Während das Wasser zu kochen begann, erzählte sie von sich und, dass sie froh sei, Besuch zu haben, wenn auch nur sehr kurz:
„Wisst ihr, ich bekomme keinen Besuch mehr. Ich bin ganz alleine. Mein Mann ist vor 3 Jahren gestorben und unsere Kinder wollten nichts mehr von mir wissen oder wohnen ganz weit weg. Sodass sie nicht kommen können, da sie außerdem noch immer so viel arbeiten und nicht an mich denken. Meine Freunde sind auch schon alle tot. Ich bin die einzige, die noch von unsere Clique übrig geblieben ist. Ich freue mich endlich wieder Besuch zu haben. Wollt ihr nicht noch etwas länger bleiben?“ „Nein, tut mir Leid. Wir würden gerne noch etwas länger bleiben. Doch sonst schaffen wir es nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit beim Hotel zu sein“, antwortete ich. Die Stimmung war erdrückend. Ich wusste nicht mehr was ich sagen sollte. Der Tod war ein schwieriges Thema. Außerdem tat mir die Frau auch etwas Leid.
Wir gingen dann auch nach 10 Minuten weiter, obwohl wir die nette, freundliche alte Dame mochten. Wir versprachen ihr, dass wir auf dem Rückweg nochmal bei ihr vorbeischauen würden. Darüber freute sie sich sehr und wünschte uns noch viel Spaß.
Das Wetter war schlechter geworden. Der Himmel war jetzt voller Wolken. Die Sonne schien nicht mehr. Ich hoffte es würde nicht noch regnen.

Als wir die Stadt hinter uns ließen, hatten wir eine schöne Aussicht und das Wetter war, bis auf die Kälte, auch wieder gut, die Wolken hatten sich wieder verzogen. Wir hatten Spaß und machten auch viel Quatsch. Das ging noch sehr gut, da der Weg noch breiter und befestigt war. Allerdings gab es auch ein paar Stellen, wo wir uns konzentrieren mussten, um nicht hinzufallen und den Berg hinunter zu fallen. Wir sahen, außer einem Steinadler, keine weiteren Lebewesen. Zum Glück hatten wir uns extra so eine Art Satellitentelefon gekauft, da es auch nur an wenigen Stellen Empfang gab. Wir hatten nur eine kleine pause gemacht und sonst waren wir die knapp fünf Stunden ohne Pause unterwegs. Wir hatten soviel Spaß, dass wir gar nicht bemerkten, wie schnell die Zeit verging und wie müde wir waren.
Als es Anfing dunkel zu werden, hatten wir noch ungefähr 2,5 km laufen. Wir mussten uns also beeilen, denn in einer Stunde war es schon stockfinster. Dann wollten wir eigentlich im Hotel sein, da es zu gefährlich und unheimlich war im Dunkeln alleine durchs Gebirge zu laufen.
Das letzte Stück rannten wir fast, obwohl es mit den schweren Rucksäcken kaum möglich war.
Wir hatten es dann auch geschafft kurz nach Einbruch der Dunkelheit am Hotel zu sein.

Wir waren überrascht, als wir das Hotel sahen.
Das Hotel war süß. Es war ein altes Fachwerkhaus mit Terrasse und kleinem Vorgarten. Auf der Terrasse hatte man einen super Ausblick auf das Tal und einen Wasserfall mit See.
Als wir hereinkamen, waren wir in einem großen Raum.In einer Ecke war ein großer Kamin. Um ihn herum standen zwei Sofas und zwei Sessel. In der Mitte stand ein kleiner Tisch mit Zeitschriften auf einem Teppich. In einer anderen Ecke standen Tische und Stühle. Dort konnte man wie in einem Restaurant Essen und Getränke bestellen. Man konnte sich aber auch so an die Tische setzen, ohne etwas zu bestellen. Gegenüber der Tür stand ein kleiner Tresen, an dem eine Dame stand und uns freundlich zulächelte. Wir gingen auf sie zu. Sie hatte uns schon erwartet und fragte, wo wir denn geblieben wären. Unsere Eltern hätten schon nachgefragt. Wir bekamen den Schlüssel zu unserem Zimmer und gingen nach oben, wo die Zimmer waren. Wir hatten das Zimmer ganz am Ende des Flures. Als wir ins Zimmer kamen, waren wir überrascht. Das Zimmer war super eingerichtet. Wir hatten sogar einen kleinen Balkon. Das Zimmer bestand eigentlich aus mehreren Räumen. Es hatte nämlich einen kleinen Nebenraum, in dem 4 Betten und ein Schrank standen. In dem Hauptraum standen ein Sofa, ein Sessel, ein Tisch mit vier Stühlen und sogar ein Fernseher. Das Badezimmer war auch O.K.
Wir gingen bald ins Bett, damit wir morgens mit der Sonne aufstehen konnten.

Als wir wach wurden, ging gerade die Sonne auf. Es war gerade mal kurz nach 6 Uhr. Wir duschten und gingen zum frühstücken nach unten. Die anderen Gäste waren noch nicht wach, aber die Frau von der Rezeption war schon da und bereitete das Frühstücksbuffet vor. Wir setzten uns schon mal an einen Tisch und holten nochmal unsere Karten heraus. Bis das Frühstück fertig war, hatten wir noch ca. eine halbe Stunde zeit und bis dahin wollten wir die Zeit sinnvoll nutzen und unsere Route nochmal durchgehen.
Das Frühstück war super. Es war nicht so groß , aber es war mehr als ausreichend und es gab auch ungewöhnlichere Sachen, wie Pfannkuchen und Würstchen. Während wir frühstückten, unterhielten wir uns mit der Frau von der Anmeldung. Wir erzählten ihr von unsere Route und sie informierte uns über die Umgebung. Wie wir von ihr erfuhren, gab es eine Stelle, an der wir auf einem dünnen Weg an einer Felswand entlang laufen müssten. Zum Glück war angeblich ein Seil an der Felswand befestigt, wo man sich dran festhalten konnte. Die Stelle war ungefähr auf der Hälfte unsrer Route und war knapp 730m lang. Sie zu umgehen würde viel zu lange dauern und wäre auch mehr als 6km länger.
Um kurz vor 8 Uhr brachen wir dann auf. Nach knapp siebeneinhalb Stunden hatten wir die Felswand erreicht. Wir machten vorher extra kurz Pause, um uns noch etwas mit Tee aufzuwärmen und mal etwas zu essen.
Wir waren alle etwas angespannt, da es anscheinend über Nacht geregnet hatte und die Steine dadurch nass waren. Außerdem war der Weg wirklich sehr schmal. Allerdings beruhigte uns das Seil, welches zum Festhalten befestigt war, ein bisschen. Es sah ziemlich alt aus und war nur an kleinen Haken befestigt, aber besser als nichts.
Wir hatten ausgemacht, dass ich als letztes ging. Ich zitterte am ganzen Körper, als ich das Seil anfasste. Allerdings war der Ausblick atemberaubend. Unter uns ging es ca. 500m runter und dort war ein großer Tannenwald. Da das Wetter super klar war, konnten wir sehr weit schauen. Das Tal war wie eine Art Schlange. Es „schlängelte“ sich zwischen zwei Bergreihen hindurch. Wir konnten sogar unser Hotel und den Wasserfall von hier sehen.
Ich schaute gerade zum Wasserfall, als ich einen Schrei hörte. Lisa war ausgerutscht. Ich versuchte sie noch an der Hand festzuhalten, doch ihre Hände waren zu rutschig und sie fiel den Hang hinunter. Wir schrien. Lisa fiel nicht ganz hinunter. Sie fiel auf einen kleinen Vorsprung. Irgendwie war ich erleichtert, dass sie nicht ganz runter gefallen war. Ich zog zitternd das Satellitentelefon aus der Tasche und wählte den Notruf. Die anderen klammerten sich panisch an das Seil. Nachdem ich den Notruf abgesetzt hatte, ging ich vorsichtig zu den anderen und versuchte sie etwas zu beruhigen. Es brachte uns ja nichts in Panik auszubrechen. Dies machte ich auch, um mich selbst etwas zu beruhigen.
Meine Hände waren nass. Schwitzig. Ich zitterte am ganzen Körper. Noch mehr als vorher. Was ist wenn der Helikopter uns nicht findet? Was ist mit Lisa? Sie bewegt sich nicht mehr! Das ist meine Schuld. Ich habe die Route geplant. Ich wollte diesen verdammten Ausflug machen! Was ist wenn sie stirbt?! Das werde ich mir nie verzeihen. Oder wenn sie gelähmt oder irgendwie anders behindert sein wird? Was ist wenn noch jemanden von uns etwas passiert?Dann bin ich schuld! Ich! Ich! Ich! Das schaffen wir nicht! Ich halt das hier nicht mehr aus! Wo ist der Helikopter? Wieso braucht der so lange? Mir ist so kalt. Ich zittere. Diese und noch tausend andere Gedanken gingen mir in diesen Minuten durch den Kopf.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann endlich der Helikopter. Der Sanitäter seilte sich zu Lisa ab. Sie war nicht bei Bewusstsein. Er legte ihr ein Stifneck und eine Schlaufe um. Dann wurden der Sanitäter und Lisa nach oben in den Helikopter gezogen. Der Sanitäter kam danach zu uns und fragte, ob er mich noch mitnehmen solle. Die anderen würden sie gleich holen, aber erst wollten sie Lisa ins Krankenhaus bringen.Nachdem ich eingewilligt hatte, legte er mir auch eine Schlaufe um und wir wurden nach oben gezogen. Lisa sah schrecklich aus. Sie hatte überall Schürfwunden und eine große Platzwunde am Kopf. Ich bekam ein Headset aufgesetzt um mit den anderen sprechen zu können. Allerdings konnte ich kein Wort sagen. Ich starrte einfach auf Lisa. Ich bemerkte zwar, dass sie mit mir redeten, doch ich verstand sie nicht. Ich weiß nicht, wie lange wir geflogen ist. Als wir dann auf dem Dach eines Krankenhauses landeten, nahmen mich zwei Leute entgegen und führten mich ins Krankenhaus in ein Zimmer. Ich musste die ganze Zeit an Lisa und die anderen denken. In dem Zimmer wartete schon eine Ärztin auf mich. Sie fragte mich, wie es mir geht und so weiter. Ich antwortete brav auf die Fragen, doch das Einzige, an das ich dachte, war Lisa. Sie erzählte mir, dass Lisa zurzeit im OP sei, da sie innere Verletzungen habe. Als sie mich fertig untersucht hatte, führte sie mich zu Lisas Eltern und den anderen. Alle Eltern waren da, nur meine wie immer nicht.

Lisa wachte am Abend auf und wir waren alle froh, dass alles nochmal gut ausgegangen war.