Grün, hatte man ihm gesagt, sei eine frische Farbe, aber doch warm. Sie konnte ganz hell sein oder ganz dunkel, manchmal auch ins Bläuliche übergehen. Blau ist auch eine frische Farbe, aber kälter … kann aber auch warm erscheinen. In seiner Vorstellung war der Himmel über ihm blau wie Minze schmeckt: frisch, kalt, klar. Der Wald um ihn herum war grün, so wie Petrichor, der Geruch nach Regen: heimelig, kuschelig, aber ein bisschen schwül … und frisch, erneuert. Genauso roch es jetzt auch, grün eben. Die Erde und Baumstämme sollen braun sein. Braun ist meist dunkel und warm, sagten sie, aber auch mal hell oder mal kalt. Für ihn war braun das Gefühl der Wolldecke, unter die er sich im Winter kuschelte. Er tastete nach einem Baum und spürte kalte, rissige Rinde, noch leicht feucht vom Regen. Das fühlte sich nicht an wie seine Wolldecke, das war nicht braun … es fühlte sich eher an wie … orange. Das war die Wand in seinem Zimmer: uneben und immer kalt. Doch daran wollte er jetzt nicht denken. Vorsichtig ließ er sich auf dem Boden nieder und tastete sich dabei am Baumstamm entlang. Unten angekommen, spürte er die Blumen. Sie konnten beinahe jede Farbe haben, hatten sie gesagt, bunt nannte man das. Bunt … das war für ihn die Lebensfreude, die er jetzt gerade verspürte, während er in friedlicher Dunkelheit saß.

Von Lara Niermann